Holy Gulp: Der Pelikanaal als fleischgewordener Mythos der Sonnenschlange

2013-Juli-29 um 13:37 | Veröffentlicht in Geschichte, Mythologie | Hinterlasse einen Kommentar
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Erst vor ein paar Tagen habe ich ihn in den Tiefen des Internets entdeckt: Den Pelikanaal (Eurypharynx pelecanoides, englisch auch Gulper Eel). Wenn man ein bisschen rumspinnt, zeigt dieser großmäulige, schlangenartige Tiefseefisch mit Leuchtorgan einige Übereinstimmungen mit dem Mythos der Sonnenschlange.


Im Internet scheint der Pelikanaal bereits eine gewisse Fangemeine zu besitzen. Die Ergebnisse der Google-Suche reichen von diversen Cartoons über Plüschtiere und Origami-Faltanleitungen bis hin zu Tattoos. Okay, als Handpuppe bietet er sich wirklich an.

Faszinierender Tiefseefisch: Der Pelikanaal

Faszinierender Tiefseefisch: Der Pelikanaal

Diese Faszination mag an seinem besonderen Aussehen und seinen Charakteristika liegen: Der Pelikanaal ist ein Tiefseefisch. Er hat ein riesiges, regenschirmartig aufspannbares Maul, das an den Schnabel eines Pelikans erinnert – daher sein Name –, einen schlangenartigen Körper und einen peitschenartigen Schwanz, der in einem komplexen Leuchtorgan endet. Es wird angenommen, dass er dieses dazu nutzt, Beute anzulocken. Er kann Fische verschlingen, die deutlich größer sind, als er selbst. Gulp.

Die Schlange im Sonnenmythos

Sowohl in der Mythologie des Alten Ägyptens als auch der Bildsprache der Nordischen Bronzezeit steht die Schlange in Verbindung mit der Sonnenverehrung.

Sonnenschlange auf einem bronzezeitlichen Rasiermesser (Zeichnung: Bjørn Skaarup; Quelle: Kaul 2013: 5)

Sonnenschlange auf einem Rasiermesser (Zeichnung: Bjørn Skaarup; Quelle: Kaul 2013: 5)

In bronzezeitlichen Darstellungen, z.B. auf Rasiermessern oder in Stein geritzt, reist die Sonne auf einem Sonnenwagen, gezogen vom Sonnenpferd, oder auf einem Sonnenschiff vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang über den Himmel. Nach Veschwinden hinter dem Horizont musste die Sonne in der damaligen Vorstellung der flachen Erde durch die Unterwelt reisen, um zum nächsten Sonnenaufgang wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukommen. Die Reise durch die Unterwelt wurde ebenfalls mit einem Schiff oder aber begleitet von Fisch oder Schlange dargestellt. Sogar Mischwesen aus Schlange und Pferd, von Flemming Kaul als Schlangenpferd beschrieben, sind als Symbol nachgewiesen.

Seth wehrt Apep ab, damit Sonnengott Re seine Reise fortsetzen kann.

Seth wehrt Apep ab, damit Sonnengott Re seine Reise fortsetzen kann.

Ein sehr ähnliches Motiv findet sich in der Mythologie und Religion des Alten Ägyptens. Die Sonne wurde in Form von Re als Gott verehrt. Dieser wurde als Sonnenscheibe, Skarabäus oder in Kombination mit anderen Gottheiten dargestellt. Auch Re reist auf einem Schiff, genauer der Sonnenbarke, über den Himmelsbogen und anschließend durch die Unterwelt. Bei der allnächtlichen Reise durch die Unterwelt wird Re auf seiner Barke von der Schlangengottheit Apep (griechisch Apophis) angegriffen. Der Antagonist Apep muss besiegt werden, damit Re es zum Sonnenaufgang schaffen kann.

Inwiefern die Schlange in der Mythologie der Nordischen Bronzezeit ein positiv-helfender, neutraler oder ebenfalls negativ-zerstörender Mitspieler bei der Reise der Sonne ist, kann wegen mangelnder Quellenlage hier nicht wiedergegeben werden.

Der Pelikanaal als Sonnensymbol

Zurück zum Pelikanaal. Dieser schlangenartige Fisch lebt in der ewigen Nacht der Tiefsee. Am Ende seines Schwanzes trägt er eine Lichtquelle. Er zieht also die Sonne immer hinter sich her. Eigentlich ist er damit doch der fleischgewordene Mythos der Sonnenschlange. Wenn die bronzezeitlichen Nordmänner ihn gekannt hätten, wer weiß…

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