Ein Schritt weiter II: Systematische hochdeutsche Rechtschreibung

2011-April-24 um 14:08 | Veröffentlicht in Sprache | 9 Kommentare
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Dieser Blogeintrag präsentiert eine radikale Reform für die deutsche Rechtschreibung, die über die zurückhaltenden Versuche der letzten als Reform bezeichneten Änderungen weit hinausgeht, jedoch gleichzeitig jetzt schon ohne eine eventuelle Umstellung von Computer- und Handytastaturen durchführbar wäre. An der Sprache ändert eine solche Reform überhaupt nichts, nur die Schreibung ist betroffen. Diese wird einfacher und systematischer.

Bei dem Rechtschreibreformvorschlag shd – Systematische hochdeutsche Rechtschreibung sollen folgende Punkte beachtet werden:

  1. Die Rechtschreibung soll systematisiert werden, d.h. sie soll sich einer systematischen phonografischen Schreibung annähern, dabei jedoch die anderen orthografischen Prinzipien wie das silbische und das morphologische Prinzip miteinbeziehen.
  2. Für die Schreibreform werden keine vollkommen neuen Zeichen und Diakritika eingeführt. Gerade in unserer auf Computern und dem Internet gründenden modernen Informationsgesellschaft könnten sich solche Zeichen kaum durchsetzen. Es wird also darauf geachtet, dass die Reform mit den derzeitig vorhandenen deutschen Tastaturen durchgeführt werden könnte. Dadurch bleibt auch das „Erscheinungsbild“ der deutschen Schreibung gleich, da keine neuen Diakritika wie Längenzeichen oder das Hatschek eingeführt werden. Die einzigen diakritischen Zeichen bleiben die Umlaut-Punkte.

Die Abkürzung shd für systematisches Hochdeutsch wurde in Anhlehnung an die Kürzel mhd für Mittelhochdeutsch und nhd für Neuhochdeutsch gewählt. shd ist dabei nur eine neue, systematische Art der Ortografie. An der Sprache selbst (aktuelles Neuhochdeutsch) ändert sich nichts.

1 Warum ist eine Reform überhaupt sinnvoll oder notwendig?

Obwohl andere Sprachen wie das Französische oder Englische noch viel unsystematischere Schreibungen verwenden, die von der gesprochenen Sprache weiter entfernt sind, ist auch die deutsche Orthografie voll von Irregularitäten. Diese sind teils historisch bedingt, teils gründen sie in der willkürlichen Festlegung von Wissenschaftlern zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Der Großteil der Buchstaben-Laut-Zuordnungen ist auch heute schon phonografisch und muss nicht geändert werden. Irregularitäten treten in erster Linie bei der Markierung von Vokallängen auf. Hier hat nicht jeder kurze und jeder lange Vokal ein eigenes Zeichen bzw. eine Zeichenkombination, sondern gleich mehrere verschiedene. Dies sollen folgende Beispiele verdeutlichen:

  • Für den kurzen Vokal /ɪ/ wird standardmäßig <i> wie in Tisch geschrieben. Seinem langen Pendant // ist standardmäßig <ie> wie in Lied zugeordnet. Jedoch sind weitere Realisierungen auch <ih> wie in ihm, <ieh> wie in Vieh und in entlehnten Fremdwörtern <y> wie in Baby, <ea> wie in Jeans und <ee> wie in Spleen. Also nicht eine, sondern sechs Entsprechungen.
  • Für den kurzen Vokal /a/ wird standardmäßig <a> wie in Dach geschrieben. Seinem langen Pendant // ist standardmäßig <ah> wie in Mahl zugeordnet. Weitere Entsprechnungen sind jedoch auch <a> wie in Tal, <aa> wie in Aal und in entlehnten Fremdwörtern <at> wie in Etat.
  • Für den kurzen Vokal /ɛ/ wird standardmäßig <e> wie in Stelle geschrieben. Seinem langen Pendant // ist standardmäßig <eh> wie in stehlen zugeordnet. Weitere Entsprechungen sind jedoch auch <e> wie in eben, <ee> wie in Meer, <eh> wie in mehr und in entlehnten Fremdwörtern <er> wie in Atelier, <et> wie in Budget und <é> wie in Attaché.

Vokallängen werden zudem auch durch doppelte Konsonanten nach dem Vokal dargestellt .

2 Wie könnte eine solche Reform aussehen?

Meine Vorschläge basieren auf dem derzeitigen für das deutsche verwendete Alphabet und ich möchte mich dagegen aussprechen, neue Zeichen einzuführen, da dies eine Änderung sämtlicher „deutscher“ Tastaturen, sowohl am Computer als auch auf Mobiltelefonen et cetera, voraussetzen würde und auch einer Internationalisierung entgegenstehen würde. Der von mir präsentierte Reformierungsansatz kann unter Verwendung der derzeit vorhandenen technischen Geräte durchgeführt werden.

a und ah

Vokallängen werden nur noch durch ein nachfolgendes h markiert. Dies ist auch heute schon bei vielen deutschen Wörtern der Fall. Konsonantenverdoppelungen, die einen kurzen Vokal markieren sollen, sind nicht mehr nötig. Damit wird die Schreibung deutlich systematischer und einfacher. Doppelkonsonanten, auch solche, die ein Silbengelenk markieren, werden nicht mehr geschrieben.

Beispiele: Bal, Fal, Tahl, Tahler, Kam, Kamin, kahm, Vahl, Vahlfish, Val

e, ä und eh

Bei e und ä ist eine kleine Besonderheit zu beachten: Das kurze /ɛ/ wie in Stelle wird <e> geschrieben. Die lange Form des Vokals ist /ɛː/ und wird allgemein mit <ä> repräsentiert. Dies bleibt auch so. Da das <ä> immer lang gesprochen wird, bedarf es hier keiner Markierung durch ein nachfolgendes h. Eine etwas andere Vokalqualität hat das lange /e:/ (halbgeschlossener Vokal). Dieses wird mit <eh> repräsentiert. Beispiele: Shtele, Perle, bite, bihte, Käze, shtehlen

i und ih

Das kurze /ɪ/ wird immer <i> geschrieben, das lange // immer <ih>. Beispiele: shd. hihr, ihr, Himel, Fihlfrahs

o und oh

Das kurze /ɔ/ wird immer <o> geschrieben, das lange // immer <oh>. Beispiele: Dorn, Kohle , ohne, Tohd, Tohr, toht

ö und öh

Das kurze /œ/ wird immer <ö> geschrieben, das lange /øː/ immer <öh>. Beispiele: Höhle, Höle, shtöhren, shtöhnen

u und uh

Das kurze /ʊ/ wird immer <u> geschrieben, das lange // immer <uh>. Beispiele: Gruhs, guht, Shtuhl, Fuhs, Brust, Lust

ü und üh

Das kurze /ʏ/ wird immer <ü> geschrieben, das lange // immer <üh>. Schreibungen, bei denen der Laut durch <y> repräsentiert wird, können eingedeutscht werden. Beispiele: Tühr, Mühe, Mühle, Bühne, Shtühle, mühde, Mül, Tül, Müler

<k> allein für /k/

Der Plosivlaut /k/ wird im Normalfall mit dem Graphem <k> repräsentiert. Weitere Entsprechungen sind aber auch noch c wie in Café oder Computer, ch wie in Charakter oder Chlor, ck wie in Stück und cch wie in Zucchini. Nach der Reformierung ist dem Phonem /k/ nur noch das Graphem <k> zugeordnet. Man schreibt systematisch Karakter, Klor, Shtük und Zukini.

Unangetastet bleiben die Schreibungen mit Auslautverhärtung wie z.B. Tag. Hier wird zwar /k/ gesprochen, die Schreibung mit <g> gründet aber in den anderen Formen des Wortparadigmas wie Tage oder des Tages, in denen der Laut immer /g/ ist.

<f> allein für /f/

Der Laut /f/ wird im Deutschen sowohl mit dem Graphem <f> als auch mit <v> und <ph> repräsentiert. Die Schreibungen mit <v> und <ph> sind rein historisch bedingt und absolut unsystematisch. Die Schreibung von Wörtern wie Vater oder Vogel mit <v> ist ein Relikt des Mittelhochdeutschen und heute nicht mehr nachvollziehbar. Ebenso das in Entlehnungen aus dem Griechischen vorkommende <ph>, welches in den letzten Rechtschreibänderungen oftmals schon eingedeutscht wurde, z.B. in Fotografie, Telefon oder Fantasie. Im Falle einer systematischen Reform wird für /f/ immer auch <f> geschrieben. Beispiele: Fohgel, Fahter, fihrzig, fergesen, fahren, Filosofih

<v> allein für /v/, <w> fällt weg

<v> wird heute in vielen ins deutsche entlehnten Fremdwörtern für den Laut /v/ geschrieben, wie Beispielsweise in Kurve, Vase oder Vibration. Nach der Reform wird für den Laut /v/ immer <v> geschrieben. Beispiele: Veltraize, Vihze, Vitamihn

<q> wird gestrichen, „qu“ wird „kv“

Der Buchstabe q tritt im Deutschen nur in Kombination mit u als <qu> wie in Quelle oder Qualle auf. Diese Kombination wird jedoch /kv/ gesprochen. Dem Buchstaben q ist damit kein eigener Laut zugeordnet, weshalb er überflüssig ist. /kv/ wird nach Reformierung auch „kv“ geschrieben. Beispiel: kvatshen

/ks/ wird nur noch <ks> geschrieben, x fällt weg

Für die Lautkombination /ks/ werden zwei Schreibungen verwendet: <x> wie in Axt oder Fax und <chs> wie in Luchs oder Fuchs. Nach Reformierung wird die Kombination so geschrieben wie gesprochen, nämlich <ks>: Akst, Faks, Luks, Fuks. Das x ist damit überflüssig und kann aus dem deutschen Alphabet gestrichen werden.

<c> statt <ch>

Da dem Laut /k/ wie in Kind nur noch das Graphem <k> zugeordnet ist und <c> frei ist, kann das für den den stimmlosen velaren Frikativ /x/ und seine Allophone [ç] wie in ich und [x] wie in ach verwendete <ch> auf <c> verkürzt werden. Dies würde gleichzeitig auch die Verwandtschaft zu englischen Wörtern unterstreichen: macen im Vergleich zu to make beispielsweise. Beispiele: macen, Dac, Küce

<s> für stimmloses s wie in Last, ß fällt weg

Das stimmlose s wird nur noch <s> geschrieben. Doppel-s-Schreibung und das scharfe ß fallen damit weg, da Vokallängen systematisch durch das nachfolgende h gekennzeichnet werden und damit das ß keine Bedeutung mehr hat. Beispiele: Gruhs, Gans, Grahs

<z> für stimmhaftes s wie in Sonne

Dem stimmhaften s wie in Sonne wird das Graphem <z> zugeordnet. Beispiele: Nahze, Zahne, Vihzenbluhme, shmuhzen, Zünde, zeks, Zict, Zohn

<sh> statt <sch>, aber nicht <š>

Frühere Wisschenschaftler schlugen beispielsweise vor, man solle für den Zischlaut /ʃ/ wie in Schiff in Bezug auf die meisten slawischen Sprachen s mit Hatschek, also š , schreiben. Eine solche Schreibung ist zwar deutlich ökonomischer als das gegenwärtige <sch>, ist aber mit der heutigen deutschen Tastatur nicht direkt umsetzbar. Ich plädiere für die Schreibung dieses Lautes als <sh>, dies ist einerseits kürzer als die etablierte Schreibung und lässt sich andererseits auf Computertastaturen schneller Schreiben als eine eventuelle Schreibung als š. Gleichzeitig wird das „Erscheinungsbild“ der deutschen Schriftsprache durch die untypischen Häkchen nicht verändert. Die Internationalisierung der deutschen Ortografie wird durch die gleiche Repräsentation des Lautes als <sh> im Englischen vorangetrieben.

/ʃ/ wird heute auch als s geschrieben, wenn p oder t folgen, z.B. in Spiel, Stadt oder Straße. Dies wird nach der Reform geändert, die Schreibung wird der Sprache angenähert und man schreibt Shpihl, Shtat und Shtrahse. Achtung: Es geht um eine Ortografiereform für das Hochdeutsche und die Standardaussprache, der Hamburger Dialekt soll natürlich nicht geändert werden und bleibt natürlich unangetastet.

<zh> für das entlehnte /ʒ/ wie in Garage

Der Laut /ʒ/ wie in Garage tritt nur in entlehnten Fremdwörtern auf, ist aber das stimmhafte Gegensück zu /ʃ/ wie in schön. Für ihn wird das Graphem <zh> in Anlehnung an <sh> eingeführt. Beispiel: Garahzhe

Die Affrikaten: pf, ts, tsh und dzh

Die deutsche Sprache enthält die drei Affrikaten /pf/ wie in Pferd, /ts/ wie in Herz und /tʃ/ wie in Kutsche. Die Affikate /dʒ/ kommt nur in entlehnten Fremdwörtern wie Dschungel vor, passt sich aber gut in das deutsche Lautsystem ein.

  • /pf/ soll auch weiterhin <pf> geschrieben werden, denn diese Schreibung ist bereits phonologisch.
  • /ts/ soll nur noch <ts> geschrieben werden. Die Schreibung wird damit der gesprochenen Sprache angenähert. <z> wie in Herz oder <tz> wie in Schatz werden für die Repräsentation nicht mehr verwendet. Die neuen Schreibungen wären Herts und Shats, Tzone, Tsahn und Tsähne.
  • /tʃ/ wird entsprechend der Regelung für /ʃ/ <tsh> geschrieben. Beispiel: Kutshe
  • /dʒ/wird entsprechend der Regelung für /ʒ/ <dzh> geschrieben. Beispiel: Dzhungel

Die drei Diphthonge aʊ̯, aɪ̯, ɔʏ̯

  • Der Diphthong /aʊ̯/ wird heute als <au> wie in Maus geschrieben. Dies wird beibehalten.
  • Der Diphthong /aɪ̯/ wird heute sowohl als <ei> wie in mein oder Seite als auch als <ai> wie in Saite oder Main verwendet. Der Grund hierfür ist in der Unterscheidung von Homophen in der Schreibung zu sehen. Diese Unterscheidung wird nicht mehr verfolgt, da die Unterschiede schon aufgrund des kleinsten Kontextes deutlich werden. Es wird nur noch <ai> als Schreibung verwendet. Beispiele: Vain, zain, Zaite, blaiben, raiben
  • Der Diphthon /ɔʏ̯/ wird heute als <eu> wie in Leute oder <äu> wie in Mäuse geschrieben. Nach der Reformierung ist <oi> die Standardschreibung, <äu> wird nur verwendet, wenn dies morphologisch bedingt ist wie z.B. bei Mauz – Mäuze, Hauz – Häuzer [Achtung: Auslausverhärtung].

3 Textbeispiel

// Dieser Text ist in systematischer hochdeutscher Rechtschreibung verfasst. //

Peters Veltraize

Bai zainer Veltraize bezuhcte Peter unter anderem Cihna, Jahpahn unt dih Ferainigten Shtahten fon Amehrika. Dort war es ihm tsum ersten Mahl in zainem Lehben möhglic, shöhne unt beaindrukende Tihr- unt Pflantsenarten tsu zehen. For alem dih eksohtishen Föhgel unt Aideksen haten es ihm angetahn. Aus Doitshland kante er ja nur Pferde, Kühe, Shahfe unt Hühner. Dih Zone shihn aigentlic dih gantse Tsait unt Peter vurde zogar ain Biscen braun. Er bracte haufenvaize Fohtohs mit nahc Hauze, dih er mit zainen Froinden anshaute. In zainer Garahzhe baute er aine Lainvand auf unt shtelte Shtühle unt Getränke führ dih Gäste tsuhr Ferfühgung. Auc Peters Fahter unt zaine Muter kahmen, dih er shohn lange nict mehr gezehen hate.

CC BY-SA

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9 Kommentare »

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  1. Kuhl Sace, jedoc laider sehr unvahrshainlic, das es jemals so komen wird, ven man anshaut tsu velcem Tsirkus dih letste führte.

  2. Also ich weiß nicht. Mir kommt das ganze nicht so sonderlich systematisch vor. Mein erster Kritikpunkt: Wenn es eine Lautschreibung gibt, warum wird dann bei auslautverhärteten Plosiven die stimmlose Aussprachevariante mit dem Graphem des stimmhaften Plosivs wiedergegeben? Beispiel: Lainvand – hier sollte es doch wohl eher Lainvant heißen. Gleichsam müsste es Doitshlant, Ferainicten und möhklic heißen. Schließlich wird die auslautverhärtete Variante von und auch als unt wiedergegeben. Mein zweiter Kritikpunkt: Müsste die Anzeige der Vokallängen nicht auch für Eigennamen gelten? Es müsste doch Pehter statt Peter geschrieben werden. Schließlich habe ich noch eine Frage. Wie sollen all jene schreiben, die keine Variante des Deutschen sprechen, die nicht Deiner Idee von Systematisisierung der Graphem-Phonem-Korrespondenz nahe kommt? Das heißt was machen Dialektsprecher und auch Deutschlerner, deren Erstsprache nicht Deutsch ist?

    • Danke für die Kritik.

      Unter (1) hatte ich angegeben, dass es eine Annäherung an eine phonologische Schreibung sein soll. Dass der Auslaut in deinen Beispielen stimmhaft geschrieben wird, liegt ja an einem der orthografischen Prinzipien, nämlich dem morphologischen Prinzip, das ich beibehalten würde. Lainvand (Leinwand) mit d wegen der Plural-Formen mit stimmhaftem Laut im Flexionsparadigma:
      Nom.Pl. dih Lainvände
      Gen.Pl. dih Lainvände
      Dat.Pl. dehn Lainvänden
      Akk.Pl. dih Lainvände

      Bei Vand (Wand) ist natürlich der Singular in allen Fällen gleich, bei anderen Wörtern ist es offensichtlicher. Berg statt Berk, wegen:

      Nom.Sg. der Berg
      Gen.Sg. des Bergs <– hier stimmhaft
      Dat.Sg. dehm Berg
      Akk.Sg. dehn Berg
      Nom.Pl. dih Berge <– hier stimmhaft
      Gen.Pl. der Berge <– hier stimmhaft
      Dat. Pl. dehn Bergen <– hier stimmhaft
      Akk.Pl. dih Berge <– hier stimmhaft

      Bei möhklic stimme ich dir zu.

      Dialektsprecher schreiben ja auch mit der jetzigen Schreibung nicht ihren Dialekt. Dies hier ist natürlich ein Vorschlag für das Standarddeutsch. Dialektsprecher lernen auch derzeit standarddeutsche Orthografie in der Schule. Dialektschreibungen, z.b. in Chat und SMS, würden sich automatisch anpassen, wenn Personen eine solch systematische Schreibung lernen.

      Und für Deutschlerner ist eine systematischere Schreibung, wie ich dagelegt habe doch einfacher. Ich zitiere hier noch einmal Ronald Lötzsch: „Zu den Erleichterungen würde auch gehören, daß eine möglichst weitgehende Übereinstimmung der Grundlagen der Orthographien dieser Sprachen hergestellt würde. Dabei müßten in der Perspektive natürlich auch Anglophone und Frankophone von ihren hohen Rössern herabsteigen und endlich dem Gedanken nahetreten, daß die Absurdidäten ihrer Orthographien nicht für ewige Zeiten erhalten bleiben können. Die Deutschsprachigen, die sich nicht selten mit der zahlenmäßigen Stärke ihrer Sprachgemeinschaft brüsten und sich ebenfalls mit einer von Ungereimtheiten geradezu strotzenden Rechtschreibung belastet haben, könnten aber eine Vorreiterrolle übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen.“ (http://bit.ly/A7dx4l)

      Heute würde ich sogar noch radikaler sagen: weg mit der Großschreibung von Substantiven. Diese hatten früher auch andere Sprachen, nur im Deutschen wurde sie beibehalten.

      • Vielen Dank für den Link zu dem Zitat von Lötzsch. Ich habe mich köstlich amüsiert. Ich habe das Gefühl, Lötzsch hat in Teilen keine Ahnung, wovon er schreibt. Seine Ansichten zur Getrennt- und Zusammenschreibung zeugen von geringem syntaktischem Sachverstand.
        Allein seine Ansichten zur Schreibung der Infinitivpartikel ‚zu‘ und der Verbpartikel ‚zu‘ zeigen, dass es mit seinem Wissen über moderne syntaktische Theorien nicht gut bestellt ist. Auf die Idee zu kommen, dass die Infinitivpartikel ‚zu‘ mit dem infiniten Verb zusammengeschrieben werden soll, weil sie schließlich nie „auseinandergerissen“ werden könnten, verschlägt mir schier den Atem!
        In modernen syntaktischen Theorien, die so etwas wie Verbbewegung und Phrasenstrukturen annehmen, ist vorgesehen, dass die Infinitivpartikel auf einer viel höheren, d.h. späteren Ebene des Satzes zur Verfügung steht, als das Verb. Ohne zu weit auszuholen heißt das, dass das Verb dem Lexikon und die Infinitivpartikel der Grammatik entstammt. Im Deutschen war es schon immer gang und gäbe, dass sprachliche Zeichen unterschiedlicher struktureller Komplexität getrennt geschreiben werden müssen (das gilt übrigens für viele Buchstabenschriften).
        Zugleich werden Verbpartikel und Verb stets in der gleichen Strukturposition des Satzes erzeugt. Sie entstammen beide dem Lexikon und besitzen nur zusammen die Partikelverben eigene idiomatische Bedeutung. Hielte man sich an Lötzschs Ansatz, dann müssten künftig auch Vor- und Nachname stets zusammengeschrieben werden, also bspw. Ronaldlötzsch oder Jaquescormay.
        Vor allem stellt sich mir nun folgende Frage: Nimmt Lötzsch an, dass zwei zu schreibende graphematische Wörter nie durch anderes sprachliches Material „auseinandergerissen“ werden dürfen oder dürfen sie nur in einem konkreten Satz nicht „auseinandergerissen“ werden? Würde er letzteres annehmen, dann müsste bspw. wie folgt geschrieben werden: Esschneit schonwieder. / Das darfstdu nichtmachen! Das kann Lötzsch so vermutlich nicht gemeint haben. Zudem würden dann alle flektierten Witterungsverben stets mit dem vorangehenden ‚es‘ zusammengeschrieben werden.
        Zum Schluss noch eine Frage: Wie könnten künftig die Homophone Lerche/Lärche, Saite/Seite, Laib/Leib, Weise/Waise, Thor/Tor usw. auseinandergehalten werden?

  3. Vielleicht mag dies daran liegen, dass er ja eigentlich Slawist/Sorabist ist.

    Die Homofone würde ich auch systematisieren, sodass sie dann gleichzeitig zu Homografen werden. Das Tor wurde im Fühneuhochdeutschen auch noch mit Th geschrieben und sicherlich hielt es niemand für einen Narren oder den Donnergott.

    Ich sehe da kein Problem. In der gesprochenen Sprache gibt es auch keine Probleme die Wörter auseinander zu halten. Minimaler Kontext reicht hier. Im Fall von Tor reicht der Artikel – der Tor/das Tor, z.B auch bei der Laiter/dih Laiter, der Vahl/dih Vahl. dih lerce zingt shöhn – es ist klar, dass es kein Baum ist.

  4. Nie war das Problem vom Wie wichtiger als das vom Was. Denn das Was ist sachbestimmend, objektgrundlegend, worauf die Intention gerichtet wird. Als Was tritt nun das ewige Kulturgut, kulturelles Erbe der Nation auf. Man darf nicht nur unklug verfahren, aber auch unklug diskutieren.

  5. Noc ain Grund mehr aine neue Rectshraibung tsu etablihren. Am besten währen 10 Rehgeln nac dehr man dih doitsche Shprache shraiben könte. Dahs Vietnamehsische hat aine rain fonehtische Shraibung und kan in 3 Mohnaten erlernt werden somit könen dort 95% dehr Befölkerung lehsen und shraiben, wahs sehr fihl ist. Werden daine Idehen waiterentwikelt?

  6. Ein Schritt weiter – die Grammatik wird auch reduziert, oder?
    Da die Mathematik und das Rechnen in der Schule auch nicht so beliebt ist, möchte ich den Sinn einer systematischen Sprache anzweifeln. Denn Mathematik ist sehr systematisch.

    • Es geht hier wirklich nur um die Orthografie/Schreibung. An der Sprache ändert sich ansonsten nichts; Morphologie, Syntax et cetera bleiben natürlich.
      Überlegungen zur Vereinfachung der Flexion (vergleiche Niederländisch – Afrikaans) sind interessant, aber noch weniger künstlich zu steuern. Sprache ist das, was die Mehrheit spricht.


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