Duivelspack – Mythos Hildebrandslied. Die Musik der Germanen
Januar 27, 2010 at 9:36 am | In Musik | Leave a CommentTags: althochdeutsch, althochdeutsche musik, althochdeutsche texte, altisländische musik, altisländische texte, altnordische musik, altnordische texte, ältere edda, edda, germanic folk, germanische musik, lieder-edda, pagan folk
Mythos Hildebrandslied ist der Versuch der ostwestfälischen Band Duivelspack, germanische Musik zu rekonstruieren.
In den Nuller Jahren etablierten sich der Folk und Pagan Metal als neue Genres und es bildete sich eine Szene. Dieser Prozess wurde durch die zunächst europaweiten Festivaltouren wie das PaganFest unterstützt. Musiker der beiden Genres versuchen sich früheren, vorchristlichen Kulturen musikalisch und textlich zu nähern. Sie verwenden historische Instrumente und beziehen sich auf Textvorlagen vergangener Zeit.
Einen ähnlichen Ansatz, der jedoch wissenschaftlich deutlich fundierter ist, verfolgt das Detmolder Trio Duivelspack. In ihrem Projekt Mythos Hildebrand versuchen sich die Folk-Musiker der Epoche zwischen den Jahren 0 und 500 musikalisch zu nähern. Sie „wollen nicht in Bärenfälle gehüllt ein überholtes Germanenbild kolportieren, sondern einen Weg zwischen Kunst und Wissenschaft zu den Klängen unserer Ahnen suchen.“ Das Ensemble baute Instrumente nach historischen Vorbildern nach und beschäftigten sich mit dem Kanon früher altnordischer und altisländischer Texte sowie mit der Aussprache des Althochdeutschen und Altnordischen.
Da ich selbst nur wenige Informationen zum Album im Internet gefunden habe, wie beispielsweise eine genaue Tracklist, Besprechungen der einzelnen Lieder oder ähnliches, habe ich mich entschieden, diese selbst zusammenzutragen und für andere Suchende hier anzubieten. Das Album ist leider bisher in keiner der großen Musikdatenbanken wie MusicBrainz enthalten.
Veröffentlichungsdatum: März 2009
Label: Totentanz Records
Katalognummer: TOT 230562
Distribution: Soul Food Music Distribution
Länge: 42 Minuten
1. Die Himmelsscheibe von Nebra (2:33)
2. Germania (4:11)
3. Merseburger Zauberspruch 1 (4:09)
4. Merseburger Zauberspruch 2 (4:35)
5. Gersta enti Weten (2:33)
6. Das Hildebrandslied (7:30)
7. Theotmahal – Die Thingstätte (3:40)
8. Fafnismál – Das Lied des Fafnir (4:10)
9. Völuspá – Die Weissagung aus der Lieder-Edda (4.47)
10. Verhaltensregeln (3:55)
Alle Stücke wurden geschrieben und bearbeitet von Daniel Wahren und Duivelspack.
Gastmusiker: Mike Turnbull – Perkussion, Tracks 3, 4, 7, 8, 9, 10
Offizielle Website: Duivelspack.de: Mythos Hildebrandslied
Künstler-Seite bei Last.fm: Last.fm: Duivelspack
Album zu bestellen unter: shop.duivelspack.de (15 Euro)
WDR 3 Mosaik (2009-03-11): Hörfunk-Beitrag von Beate Depping (mp3, 4.6 MB)
Über die Titel
1. Die Himmelsscheibe von Nebra
Der Titel bezieht sich auf den Fund aus der Bronzezeit, der 1999 bei Nebra in Sachsen-Anhalt gemacht wurde. Das Lied ist ein instrumentales Stück, das sich mit dem bronzezeitlichen Blasinstrument Lure auseinandersetzt.
2. Germania
Der zweite Titel bezieht sich auf den Namen, den die Römer den eigentlich zahlreichen, nicht zusammenhängenden germanischen Stämmen und Territorien gaben. Es ist ebenfalls ein Instrumentalstück, in dem Knochenflöten und eine Dreiton-Tonleiter eingesetzt werden.
3. Merseburger Zauberspruch 1
Die Merseburger Zauberstücke sind seit Adaptionen durch Bands wie Ougenweide oder später durch die Mittelalterrockband In Extremo und die Industrial-Rock-Band Tanzwut weit bekannt. Duivelspack nehmen sich hier der beiden althochdeutschen Texte an, mit dem Unterschied, dass sie den Inhalt sowie die Aussprache weitreichend studiert haben. Dies geschah in Zusammenarbeit mit Germanisten der Universität Bielefeld.
Auch die bei den genannten Bands zu findende Melodie wird hier nicht verwendet. Stattdessen wird der gesprochene und anschließend gesungene, dann geflüsterte Text mit den Klängen eines Saiteninstruments und Rasselgeräuschen hinterlegt.
4. Merseburger Zauberspruch 2
Der zweite althochdeutsche Merseburger Zauberspruch, die Besprechung eines verletzten Pferdes, wirkt durch die Perkussion sehr rhythmisch, fast schon hypnotisch. Den Sprachteilen gehen Flötentöne voraus.
5. Gersta enti Weten
Der Titel bedeutet Gerste und Weizen und bezieht sich auf die von den germanischen praktizierte Kunst des Bierbrauens. Es handelt sich um ein instrumentales Flötenstück.
6. Das Hildebrandslied
In diesem Lied beschäftigen sich Duivelspack mit dem althochdeutschen Hildebrandslied, einem der ersten poetischen Texte in deutscher Sprache überhaupt.
7. Theotmahal – Die Thingstätte
Theotmahal ist ein sehr rhytmisches Lied mit lauten Zwischenrufen und Schreien des Namens des germanischen Göttervaters Wuodan. Teilweise erklingen Gesänge und Flöten. Der Titel bezieht sich auf eine Thingstätte, Versammlungsplätze der Germanen, bei denen Volks- und Gerichtsangelegenheiten besprochen wurden. Theotmahal nimmt dabei Bezug auf die Heimatstadt der Band, Detmold.
8. Fafnismál – Das Lied des Fafnir
Das Fafnismál ist ein Heldenlied aus der altisländischen Lieder-Edda, dem sich Duivelspack hier nähern. Auch für die altisländische bzw. altnordische Aussprache arbeitete das Trio mit Wissenschaftlern zusammen. Die Melodie, die Duivelspack verwenden, ist ebenfalls eine altisländische und dürfte Freunden mittelalterlich angehauchter Musik bekannt vorkommen: In Extremo verwendeten sie für ihren Titel Krummavísur, dessen Text vom isländischen Autor Jón Thoroddsen stammt. Hierbei scheint es sich um ein isländisches Volkslied zu handeln (Link). Die Melodie passt sehr gut zur Konzeption und der Vortragsweise des Edda-Textes.
9. Völuspá – Die Weissagung aus der Lieder-Edda
Die Völuspa ist ebenfalls Teil der Lieder-Edda. Sie ist das erste der sechzehn darin enthaltenen Götterlieder und behandelt aus den Augen einer Seherin die Entstehung der Welt bis zu Ragnarök. Duivelspack behandeln nur einen kleinen Auszug über die Weltenesche Yggdrasil. Auch hier haben die Musiker wieder einen persönlichen Hintergrund, da als ein möglicher Standort der Irminsul (eine kultische Entsprechung von Yggdrasil) die Externsteine bei Detmold gesehen werden.
10. Verhaltensregeln
Die Verhaltensregeln aus der Lieder-Edda werden zum besseren Textverständnis in Neuhochdeutsch gesungen.
Schlusswort: Ich empfehle die Scheibe vor allem auch Hörern moderner neuheidnischer Folk-Musik wie sie z.B. Wardruna spielen. [ähnliche Musik]
Ein Schritt weiter: Die Neue Neue Rechtschreibung
November 26, 2009 at 11:28 pm | In Sprache | Leave a CommentTags: Deutsch, Duden, German, Neudeutsch, neue Rechtschreibung, Orthografie, Orthographie, Sprache, Tyska, Vorschlag
Wenn man beginnt, Sprachen zu lernen, öffnet sich der Horizont. Während man eine andere Sprache mitsamt kulturellem Hintergrund kennen lernt, verändert sich zunehmend auch das Verhältnis zur eigenen Sprache. Vieles erscheint durch den neuen Blickwinkel anders, neu oder sogar plötzlich komisch und unverständlich.
Bei mir selbst fiel mir auf, dass ich viel toleranter geworden bin. Ich habe mich mehr und mehr von der normativen Position entfernt, an die der Deutsche aufgrund des vorschreibenden Charakters des Duden – Die deutsche Rechtschreibung und amtlicher Sprachregeln gewöhnt ist. Hinzu kommt die geschürte Angst vor Anglizismen und einer Verfremdung des Deutschen, das angeprangerte Leid mit dem Dativ (Siek und seine Lehrerposition) und stures Festhalten am Alten.
Sprache ist ein Prozess. Sie wird den aktuellen Umständen und dem Lebenskontext angepasst, verändert sich, wird einfacher. Während andere Sprachen ihre Schreibung vorurteilslos anpassen, systematisieren und vereinfachen, tut sich das Englische und – zwar nicht mit vergleichbarer Brisanz – auch das Deutsche und der Deutsche schwer damit.
Dabei ist Sprache vor allem das, was gesprochen, geschrieben und verwendet wird, und wenn etwas Neues von vielen verwendet wird, hat es gute Chancen akzeptiert oder sogar zum Standard zu werden.
Es folgt eine kleine Liste mit Vorschlägen zur Reformierung der Schreibung einiger deutscher Wörter, die meiner Meinung nach, aus meinem Blickwinkel und im internationalen Vergleich mit anderen Sprachen schlau, angebracht und hilfreich für die Zukunft sind.
Eindeutschen 1: Das historische, nutzlose ph und th loswerden
Bei Fantasie, fantastisch, Delfin, Fotograf, Fotografie, Telefon, Fonetik et cetera schon passiert – einen Schritt weiter …
| Philosophie | –> | Filosofie | schw./norw./dän. filosofi; Afrikaans: Filosofie; itl. filosofia; slowen. filozofia; wallon. filozofeye |
| Physik | –> | Fysik | schw./norw./dän. fysik; itl. fisica; span. fisica; Afrikaans: fisika |
| Phage / Bakteriophage | –> | Fage | schw./norw./dän. bakteriofag; itl. batteriofago; span. bacteriófago |
| Phagozyt | –> | Fagozyt | schw./norw./dän./niederl. fagocyt; itl. fagocita |
| Phalanx | –> | Falanx | norw./dän. falanks; niederl. falanx, schw. falang; span./itl. falange |
| Phallus, phallisch | –> | Fallus, fallisch (Falluskult, Fallussymbol) | schw./norw. fallos; niederl. fallus |
| Phänologie | –> | Fänologie | s. Fänomen |
| Phänomen | –> | Fänomen | schw./norw. fenomen; dän. fænomen; niederl. fenomeen; span./itl. fenomeno |
| phänomenal | –> | fänomenal | s. Fänomen |
| Phänotyp, phänotypisch | –> | Fänotyp, fänotypisch | schw. fenotyp; dän. fænotype, niederl. fenotype; span./itl. fenotipo |
| Phantasma | –> | Fantasma | span./itl. fantasma |
| Phantom | –> | Fantom (Fantombild, Fantomschmerz) | schw./tsch. fantom; frz. fantôme |
| Pharao | –> | Farao (Faraonengrab, Faraonenreich, faraonisch) | schw./norw./dän./niederl. farao; span. faraón; poln. faraon |
| Pharma- | –> | Farma- (Farmaberater, Farmaindustrie, Farmakologe, Farmakologie, farmakologisch, Farmaunternehmen, Farmazeut, farmazeutisch, Farmazie) | schw./dän. farmaci; norw. (bokmål) farmasi; niederl./tsch. farmacie; finn. farmasia |
| Phase | –> | Fase | norw./dän./niederl./span./itl. fase; schw. fas |
| Philharmonie | –> | Filharmonie (Filharmoniker, filharmonisch) | |
| Philologe | –> | Filologe | |
| Philologie | –> | Filologie | |
| Philosoph | –> | Filosof | s. Filosofie |
| Philosophaster | –> | Filosofaster | |
| Philosophem | –> | Filosofem | |
| Phiole | –> | Fiole | |
| Phlegma | –> | Flegma | |
| Phlegmatiker, phlegmatisch | –> | Flegmatiker, flegmatisch | |
| Phobie | –> | Fobie | |
| Phönix | –> | Fönix | isl. fönix; schw. fenix; dän. føniks/fønix; pl. feniks; span. fénix |
| Phosphat | –> | Fosfat | |
| Phosphor | –> | Fosfor | |
| Fotosynthese | –> | Fotosyntese | |
| Phrase | –> | Frase (frasenhaft, frasenreich, frasieren, Fraseologie) | |
| Physalis | –> | Fysalis | |
| physikalisch | –> | fysikalisch | s. Fysik |
| Physiker | –> | Fysiker | s. Fysik |
| Physiognom, Physiognomie | –> | Fysigonom, Fysigonomie | s. Fysis, fysisch |
| Physiologe, Physiologie, physiologisch | –> | Fysiologe, Fysiologie, fysiologisch | s. Fysis, fysisch |
| Physiotherapeut, physiotherapeutisch, Physiotherapie | –> | Fysioterapeut, fysioterapeutisch, Fysioterapie | s. Fysis, fysisch und terapi |
| Physis, physisch | –> | Fysis, fysisch | |
| Mathematik, Mathematiker, mathematisch | –> | Matematik, Matematiker, matematisch | schw. matematik |
| Metapher | –> | Metafer | |
| Synthese, synthetisch | –> | Syntese, syntetisch | |
| Theater | –> | Teater | schw./norw. teater; itl./span. teatro |
| Theke | –> | Teke | |
| Thema | –> | Tema | schw. tema |
| Theologe, Theologie, theologisch | –> | Teologe, Teologie, teologisch | |
| Theorie, theoretisch | –> | Teorie, teoretisch | schw. teori |
| Therapie, Therapeut, therapeutisch | –> | Terapie, Terapeut, terapeutisch | schw. terapi |
| Thermo-/thermo- | –> | Termo-/termo- (Termodynamik, Termometer, Termostat, Termounterwäsche) | schw. termo- (termometer) |
| These | –> | Tese | |
| Thron, thronen | –> | Tron, tronen | schw. tron |
v zu f bei f-Laut
Warum leistet sich das Deutsche zwei Buchstaben für den selben Laut?
Lies auch den Artikel: Fogel, Fater, Finsternis – Ein Gedanke für einen systematischeren Gebrauch des Graphems “v” in der deutschen Sprache
| Vater | –> | Fater | engl. father; schw./norw./dän. fader, far; isl. |
| ver-/Ver- | –> | fer-/Fer- (ferabreden, ferabscheuen, Ferband, ferbrauchen, Ferein, ferfahren, ferfallen, Ferfasser, ferfinstern, fergeben, …) | engl. z.B. to forgive (fergeben), to forget (fergessen); schw. förband (Ferband), förbruka (ferbrauchen), förbränna (ferbrennen), förfara (ferfahren), förfall (Ferfall), |
| vor-/Vor- | –> | for-/For- (forbereiten, Forbehalt, Forbild, forfahren,…) | schw. förbereda (forbereiten), förbehåll (Forbehalt), förebild (Forbild) |
| vorbei | –> | forbei | schw. förbi |
| vier | –> | fier | engl. four; schw. fyra; norw. fire |
| Viertel | –> | Fiertel | s. fier |
| vierzig | –> | fierzig | s. fier |
| Vlies | –> | Flies | vgl. engl. fleece |
| Vogel | –> | Fogel (Fogelart, Fogelbad, Fogelbauer, Fogelbeerbaum, Fogelbeere, Fögelchen, Fogelfutter, Fogeldreck, Fogeldunst, Fögelein, Fogeler, Fogler, Fogelfänger, Fogelflug, Fogelfluglinie, fogelfrei, Fogelgrippe, Fogelhäuschen, Fogelkirsche, Fogelkunde, Fogelnest, Fogelsperspektive, Fogelscheuche, Fogelschwarm, Fogelspinne,…) | schw. fågel; norw./dän./isl. fugl |
Eindeutschen 2: Integration von Lehn-/Fremdwörtern
(Keine Angst vorm Eindeutschen)
Lehnwörter können leicht an die deutsche Schreibung angepasst werden, wenn wir die jeweiligen Laute haben und Zeichen dafür. Die Verwendung des Lehnwortes in Originalschreibweise natürlich optional.
Schon geschehen bei: Frisör (Friseur), Portmonee (Portemonnaie), Majonäse (Mayonnaise), Jogurt (Joghurt), …
| Malheur | –> | Malör | |
| Milieu | –> | Miliö | schw. miljö |
| Redakteur | –> | Redaktör, Redakteur | wie Frisör (Friseur) |
| Regisseur | –> | Regissör, Regisseur | wie Frisör (Friseur) |
Kommentare, Diskussion und Vorschläge erwünscht!
Maskinen – Die schwedischen Deichkind
August 19, 2009 at 7:47 pm | In Musik | 1 CommentTags: band, bass, deichkind, electro, electronic, hip-hop, maskinen, Schweden, schwedisch, Skandinavien, svenska, sverige, sweden, swedish
Fette, eingängige Beats, verrückte Texte, die man nicht so ganz ernst nehmen darf, und eine abgefahrene Bühnenshow. Das alles sind Markenzeichen der deutschen Electro- und Hip-Hop-Formation Deichkind. Jetzt tut es ihnen eine Band aus Skandinavien gleich: Maskinen aus Schweden.
Ihre erste Single erschien bereits 2007 und trägt den Titel “Alla som inte dansar”, der im Text des Liedes mit “är våldtäktsmän” ergänzt wird und dadurch provokant zum Tanzen auffordert. Die deutsche Übersetzung lautet nämlich: “Alle, die nicht tanzen, sind Vergewaltiger.”
Zur Zeit noch ein Geheimtipp, reinhören!
„Umamige Shiitake-Pilze“ – Flexion einer Geschmacksrichtung
Mai 17, 2009 at 4:50 pm | In Sprache | Leave a CommentTags: Adjektiv, Deutsche Sprache, Essen, Flexion, Flexionslehre, Geschmacksrichtung, Morphologie, Umami, Wort
Die fünfte von der Zunge wahrnehmbare Geschmacksrichtung umami (neben süß, salzig, sauer und bitter) hat noch nicht lange Einzug in den gegenwärtigen Sprachgebrauch gehalten. Das Wort stammt aus dem Japanischen, bedeutet übertragen fleischig oder herzhaft und hat einen Eintrag im Rechtschreib-Duden.
Um das Wort vollends ins Deutsche integrieren zu können, bedarf es auch einer Flexion. Doch wie flektiert man umami? Das Gericht schmeckt süß, salzig, sauer, bitter oder umami (okej, klar). Aber was ist mit der bestimmten Adjektivsform: das süße Gericht, das salzige Gericht, das … umamige Gericht? Oder muss man auf andere Formen ausweichen, wie bei den Farbadjektiven lila, pink und orange (das lila-, pink- oder orangefarbene Kleid)? – Wobei hier natürlich umgangssprachliche Formen wie das lilane, pinke oder orangene Kleid existieren – das umami schmeckende Gericht?
Also? – Das schmeckt umami. Süße Weintrauben, saure Zitronen und umamige Shiitake-Pilze. Oder?

„Magic Seven“ – Die Vollkommenheit der siebensaitigen Gitarre
August 21, 2008 at 12:25 pm | In Musik | 1 CommentTags: seven-string guitar, Siebensaitige E-Gitarre, Siebensaitige Gitarre, Siebensaitige Konzertgitarre
E-Gitarren mit sieben statt der üblichen sechs Saiten – Bands wie Morbid Angel, Korn und Meshuggah haben es vorgemacht. Heute sind die Siebensaiter aus der Musik, besonders den extremeren Metal-Stilen, nicht mehr wegzudenken.
Fast jeder Gitarrenhersteller hat ein oder mehrere Siebensaiter-Modelle im Sortiment, Vorreiter ist die japanische Firma Ibanez. Hier erschien 1990 mit der Ibanez Universe die erste in Serie produzierte siebensaitige E-Gitarre nach den Vorstellungen des Gitarristen Steve Vai.
Auch in der klassischen Gitarrenmusik ist die Erweiterung des Tonumfangs durch das Hinzufügen einer oder mehrerer Seiten durchaus gängig.
Doch warum sollte man sieben Saiten brauchen? Nachfolgend vier gute Gründe:
- Ein Instrument, eine Stimmung: Mit einer siebensaitigen Gitarre entfällt das ständige Rauf- und Runterstimmen. Es lässt sich beispielsweise mit der siebensaitigen E-Gitarre in Standardstimmung (HEADghe) sowohl Hammer Smashed Face von Cannibal Corpse (Originalstimmung: D#G#C#f#a#d#) als auch Amon Amarths Death In Fire (Originalstimmung: HEADf#e) problemlos spielen, ohne lästiges Umstimmen. Der Konzertgitarrist hat es zudem leichter Stücke, die für andere Instrumente wie z.B. Piano oder Cello komponiert wurden, für die Gitarre zu transponieren.
- Größere Vollkommenheit im Bassbereich: Der Gitarrist hat in Standardstimmung fünf (!) tiefe Halbtöne mehr zur Verfügung. Warum nicht einfach mal bei für Elise oder dem alten Tárrega ein eine Oktave tieferes D oder sogar C im Bass knurren lassen?
- Mehr Systematik: Der erste Greifton der tiefen H-Saite ist ein C. Dies erinnert an die typische Oktave beginnend mit C auf dem Piano für die einfache C-Dur- und a-Moll-Tonleiter. Benutzt der Gitarrist eine Dropped-A-Stimmung (AEADghe), so kann er mit einem Finger sehr tiefe, aber auch rocktypische Powerchords beginnend mit A als Root auf der tiefen Saite greifen. Mit englischen Notennamen klingt das dann sogar kinderleicht: ABCDEFG. Das D ist hier das selbe, welches der Sechssaiter-Gitarrist bei einer Dropped-D-Stimmung als tiefsten Ton erreicht.
- Wie der E-Bass: Bei Bassisten gibt es seit längerem den Trend zu fünfsaitigen Instrumenten. Hier ist die Standardstimmung HEADg. Die tiefste Saite klingt genau eine Oktave tiefer als die der siebensaitigen E-Gitarre. Fünfsaitiger E-Bass und siebensaitige E-Gitarre entsprechen und ergänzen sich genauso wie das Pärchen „viersaitig – sechssaitg“.
Ein Nachteil hat die siebte Saite wohl kaum, einfach ausprobieren und nicht mehr missen wollen. Ich ende mit einem Zitat des Korn-Gitarristen Munky Shaffer zur siebten Saite: „Now playing without it seems like playing without a finger.” – Und nein, ich bin kein Korn-Fan.
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